Entsendung von Mitarbeitern: Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Internationale Einsätze, vorübergehende Entsendungen oder Auslandsprojekte von mehreren Jahren: aufgrund der zunehmenden Internationalisierung im Geschäftsleben werden immer mehr Arbeitnehmer international mobil. Dabei kommt dem Arbeitgeber die Aufgabe zu, den Mitarbeiter mit zuverlässiger Information zu versorgen und ihn im Ausland zu schützen. Das bedeutet für den Arbeitgeber, dass er die Risiken, denen sein Mitarbeiter im Ausland ausgesetzt ist, richtig einschätzen muss und ein entsprechendes Risikomanagement implementiert. So ist die Gewährleistung der Sicherheit des Mitarbeiters im Ausland nicht nur aus sozialer Sicht notwendig, sondern eine gesetzliche Pflicht: die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist heutzutage ein ernstzunehmendes Thema.

Internationale Risiken

Je nach Zielland kann ein entsendeter Arbeitnehmer auf mehr oder weniger große Gesundheits- und Sicherheitsrisiken stoßen, die in seinem neuen Zuhause und in seiner Arbeitsumgebung auftreten können.

Gesundheitsrisiken

Wenn er einen Mitarbeiter ins Ausland entsendet, muss sich der Arbeitgeber der Gesundheitsrisiken bewusst sein, denen der Arbeitnehmer dort ausgesetzt ist.

  • Infektionskrankheiten (Malaria, Denguefieber…)
  • Unfälle (dieses Risiko hängt hauptsächlich davon ab, wie gefährlich die Arbeit des Mitarbeiters vor Ort ist)
  • Schwieriger Zugang zu guter Gesundheitsversorgung aufgrund der defizitären lokalen Infrastruktur
  • Schwieriger Zugang zu Medikamenten
  • Andere Risiken, die auf die Umgebung zurückzuführen sind (sanitäre Voraussetzungen, Zugang zu Trinkwasser)

Sicherheitsrisiken

Das politische Weltgeschehen kann zu internationalen Spannungen führen, die zusätzliche Risiken für Mitarbeiter im Ausland darstellen. Gefahren, denen Ausländer ausgesetzt sein können sind z.B.:

  • Kidnapping
  • Terrorismus
  • Angriffe
  • Kriege

Die Pflichten des Arbeitgebers

Unternehmen sind verpflichtet, ihre Mitarbeiter, die sie ins Ausland entsenden, ausreichend aufzuklären und zu schützen. Dazu müssen sie die Risiken identifizieren und abwägen (vor und während der Entsendung), die auf ihre Mitarbeiter zukommen können.

Die Informationspflicht des Arbeitgebers

Gesetzlich ist der Arbeitgeber verpflichtet, seinen Mitarbeitern Informationen über die Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen im Gastland zu geben. Das kann in Form von Sicherheitshinweisen, praktischen Ratschlägen, interkulturellen Trainings usw. erfolgen. Dabei geht es v.a. um Vorsorge und darum, den Mitarbeiter für bestimmte Themen zu sensibilisieren.

Hochwertige Information sollte so aussehen:

  • vollständig, so dass der Mitarbeiter nicht selbst recherchieren muss
  • vor der Abfahrt zur Verfügung gestellt
  • angemessen und aktuell
  • gemäß den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes

Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Unternehmen müssen in der Lage sein, die Sicherheit, Gesundheit und das Wohlbefinden des Mitarbeiters sicherzustellen. Der Arbeitgeber hat nicht nur die gesetzliche Fürsorgepflicht, sondern auch eine moralische und soziale Verpflichtung seinem Mitarbeiter gegenüber. Viele Ländern, darunter die USA, Kanada, Australien und die meisten Westeuropäischen Länder haben Gesetze entwickelt, die diese Fürsorgepflicht regeln. Arbeitgeber müssen sich darüber im Klaren sein, dass ihre Verpflichtungen gegenüber entsendeten Mitarbeitern noch größer sind als für Arbeitnehmer im Heimatland. Die Hauptpflichten sind:

  • körperliche und geistige Gesundheit sicherzustellen
  • ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten
  • angemessene Vorbereitung auf den Auslandseinsatz zu leisten
  • den Arbeitnehmer vor Mobbing, Belästigung und Diskriminierung zu schützen
  • Gewährung von Sozialleistungen und Auswahl von Versicherern

Die Nichteinhaltung der Fürsorgepflicht kann als Fahrlässigkeit angezeigt werden und daraus resultierende Schäden können eingeklagt werden.

Risikomanagement

Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter im Ausland schützen, indem sie diese richtig versichern. Auslandsversicherungen schützen Unternehmen vor Risiken aus Zwischenfällen, für die sie die Haftung übernehmen müssen. Viele Unfälle im Ausland können erhebliche finanzielle Konsequenzen haben. Nebenbei kann der Arbeitgeber von der gesteigerten Produktivität des Mitarbeiters profitieren, die zu erwarten ist, wenn sich dieser gut abgesichert fühlt.

Datum der Veröffentlichung: Freitag, 31 Januar, 2014